Löffelkraut & Co.

Beim Bayerischen Löffelkraut handelt es sich um eine besondere Rarität: Die Pflanzenart ist ein sogenannter „Endemit“, was bedeutet, dass das Verbreitungsgebiet der Art auf eine nur sehr kleine Region beschränkt ist. Weltweit wächst das Bayerische Löffelkraut nur in zwei voneinander getrennten Teilarealen: Ein Wuchsgebiet mit acht Standorten befindet sich in Oberbayern, im Landkreis Ebersberg, das andere Vorkommen liegt im nördlichen Allgäu und weist 14 Wuchsorte auf.

"Löffelkraut-Landschaft" bei Ottobeuren - eines der größten Vorkommen im Allgäu

Das Bayerische Löffelkraut (Cochlearia bavarica) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Vor allem in den Monaten Mai bis Juni kommen die weißen Blüten zur vollen Entfaltung. Die Art ist nach der letzten Eiszeit aus einer Kreuzung des Pyrenäen-Löffelkrautes (Cochlearia pyrenaica) mit dem Echten Löffelkraut (Cochlearia officinalis) entstanden. Alle drei Arten sehen sich sehr ähnlich und sind damit leicht zu verwechseln. Das Bayerische Löffelkraut ist ein ausgesprochener „Spezialist“, der ausschließlich an Quellen und Quellbächen wächst. Die Wuchsorte zeichnen sich durch relativ konstante Temperaturbedingungen aus (ca. 6 bis 8 °C) und sind auch in kalten Wintern häufig schnee- und eisfrei. Meist sind die Standorte auch durch flächige Vorkommen des Starknervmooses (Cratoneuron commutatum) und Tuffsteinbildungen geprägt.

Nachdem das Bayerische Löffelkraut erst 1984 erstmalig als eigene Art beschrieben worden ist, mussten Naturschützer schnell erkennen, dass der Endemit mit großen Problemen zu kämpfen hat: 80 Prozent der bekannten Wuchsorte sind bedroht. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in den letzten Jahrzehnten die Zahl der naturnahen Quellen stetig zurückgegangen ist. Trockenlegung, Intensivierung von Feuchtgrünland,  Nährstoffanreicherung und vieles mehr haben dazu beigetragen. Wird dann auch noch die minimal überlebensfähige Bestandsgröße der Pflanze (1.000 Exemplare) unterschritten, sind die Prognosen für ein dauerhaftes Überleben am Wuchsort sehr schlecht. Im Wald werden Quellen am häufigsten durch Fichten beeinträchtigt, die anstelle von standortgerechten Laubbaumarten wie Esche oder Erle gepflanzt wurden. Die dichten Nadelbaum-Kronen beschatten die Quellpflanzen ganzjährig so stark, dass für diese nicht ausreichend Licht auf den Boden fällt. Bei vielen Löffelkraut-Vorkommen waren in den letzten Jahren die Bestandszahlen aufgrund von Verschlechterungen der Wuchsverhältnisse rückläufig.

Bayerisches Löffelkraut umgeben von Starknervmoos

Bei den Schutz- und Erhaltungsbemühungen stehen in erster Linie pflegerischen Aktivitäten im Vordergrund. Meist geht es um die Entnahme von Gehölzen, um die Lichtverhältnisse zu verbessern, oder um das Zurückdrängen von Konkurrenzpflanzen durch Mahd. Auch die Sicherung einer kontinuierlichen Wasserversorgung durch die Sanierung der Quellbäche oder das Entfernen von Hindernissen im Wasserlauf sind von großer Bedeutung. Durch diese Maßnahmen ist es bereits an mehreren Standorten gelungen wieder eine positive Bestandsentwicklung einzuleiten. Trotzdem kann für das Löffelkraut noch lange keine Entwarnung gegeben werden. An manchen Wuchsorten wird der Erhalt zukünftig nur durch Stützungsmaßnahmen (z.B. Ausbringen von Samenmaterial) möglich sein.

Eine wichtige Rolle bei den Schutzbemühungen spielt das Löffelkraut-Betreuernetzwerk. Für jeden Wuchsort soll es mindestens eine Betreuungsperson geben, die mehrmals pro Jahr den Zustand des Vorkommens kontrolliert. Diese Kontrolle ist wichtig, um zum einen Daten über die jeweilige Entwicklung am Wuchsort zu sammeln und zum anderen, um rechtzeitig auf negative Entwicklungen reagieren zu können. Für die meisten Wuchsorte gibt es bereits eine Betreuung. Für einige weitere Gebiete werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht. Was es dabei zu tun gibt und wie die Zusammenarbeit aussieht, erfahren Sie in der Box Löffelkrautbetreuer.

Pflegemaßnahmen im Umfeld eines Löffelkraut-Wuchsortes
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